Neue Ausbildung für Schlagzeuglehrer in Bremen – Das Trommelwerk

Andi Pfeifer und Max Gebhardt  Photo: Christina Michael

Andi Pfeifer und Max Gebhardt
Photo: Christina Michael

Das Trommelwerk Bremen ist die neue Aus- und Weiterbildungsinstitution für angehende professionelle Schlagzeuger und Schlagzeuglehrer. Gegründet wurde es von den Musikern und Dozenten Max Gebhardt und Andreas Pfeifer. Seit Oktober 2013 läuft der erste Jahreskurs. Max Gebhardt gibt mir in einer kleinen Fragestunde einen Blick hinter die Kulissen der Schule.

Hallo Max, erzähl doch mal, wie es zur Idee kam das Trommelwerk Bremen zu gründen, und was die Ausbildung beinhaltet?

Hey Chris, Andi Pfeifer, Dietmar Hussong (mit dessen Schlagzeugschule wir uns die Räumlichkeiten teilen) und ich sind seit langer Zeit befreundet. Beruflich sind wir alle Musiker, Drummer und Lehrer, so dass sich immer wieder Kooperationen ergaben, z. B. unterrichte ich nicht nur in meinem eigenen Drumstudio, sondern auch in Dietmars Schule. Andi wiederum hat an einer Rotenburger Fachschule für Schlagzeuger gearbeitet, wo ich auch ein paarmal als externer Dozent tätig war.

Im Sommer geschah dann etwas, womit keiner gerechnet hatte: die Fachschule in Rotenburg stellte plötzlich den Betrieb ein, der Inhaber hatte Privatinsolvenz angemeldet. Das Kuriose daran war, dass sich für das Ausbildungsjahr 2013/14 so viele Teilnehmer angemeldet hatten wie nie zuvor. Die traf die Nachricht natürlich hart, denn erstens waren einige von weit her nach Rotenburg gezogen und zweitens ist es in dem Bereich praktisch unmöglich, innerhalb weniger Tage eine Ausbildungsalternative, geschweige denn einen Studienplatz zu bekommen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Andi und ich entschlossen uns, die Studenten nicht hängen zu lassen und in Bremen eine Ausbildungsstätte für Schlagzeuglehrer zu gründen. Wir haben dann mit Hochdruck ein eigenes Ausbildungsprogramm entwickelt, die Räumlichkeiten der Hussong Schlagzeugschule aufgerüstet, mit potenziellen Unterstützern gesprochen, eine Webseite erstellt und die nötige Bürokratie veranlasst. Es war enorm viel Arbeit unter großem Zeitdruck, denn es war uns wichtig, kein „Notprogramm“ anzubieten, sondern von vornherein eine vollwertig und klug durchdachte Ausbildung!

Inhaltlich war klar, was wir sein wollen: leidenschaftliche Trommler, die anderen begeisterten Trommlern helfen, besser zu spielen und guten Unterricht zu geben. Ein guter Lehrer ist jemand, der für seine Sache brennt und dabei weiß, was er tut. Jemand, der gut spielen kann und von dem andere etwas lernen möchten. Es werden immer mehr Musiker gesucht, die auch vermitteln können und wollen. Der Bedarf an modernem und frischem Musikunterricht steigt konstant, sowohl an öffentlichen Schulen und Musikschulen als auch im privaten Bereich. Im Trommelwerk schärfen wir genau dieses Profil.

Das Jahresprogramm ist in vier Module unterteilt. Technik, moderne Stile, Methodik, Geschichte des modernen Schlagzeugspiels, Grundlagen im Klavierspiel und Improvisation sind die Basisbausteine unserer Ausbildung. In jedem Modul kommt ein externer Dozent ans Trommelwerk, welcher exklusiv für die Studenten eine zweitägige Masterclass und zusätzlich einen öffentlichen Workshop gibt. Im ersten Modul war das Moritz Müller, im Februar 2014 kommt Claus Hessler und im dritten Modul freuen wir uns auf Jost Nickel.

Das Logo des Trommelwerk BremenPhoto: Christina Michael

Das Logo des Trommelwerk Bremen
Photo: Christina Michael

Ein Schwerpunkt liegt klar auf der pädagogischen Ausbildung eurer Studenten, die reine Spieltechnik kommt aber auch nicht zu kurz?

Nein, im Gegenteil. In allen vier Modulen ist Spieltechnik ein wichtiger Aspekt: Bewegungsabläufe, Spielgenauigkeit und Clicktraining, die wichtigsten Schlagtechniken sowie Koordination. In den Seminaren lassen wir die Studenten viel spielen. Außerdem verwende ich in meinen Seminaren auch Elektronik wie z. B. Drum-Maschinen und Sequencer-Programme. Aus meinem eigenen Unterrichten weiß ich, dass Elektronik vielen Schülern hilft, Grooves und Rhythmik zu begreifen. Zudem ist es als Lehrer und Musiker wichtig, zu verstehen, wie ein Großteil der heutigen Musik eigentlich entsteht.

Apropos Praxis: unsere Teilnehmer erhalten in jedem Monat natürlich auch Einzelunterricht. Hier wird es dann sehr individuell, denn die Unterrichtsinhalte sind komplett frei wählbar, ebenso die jeweiligen Lehrer. Manche Studenten gleichen damit gezielt Schwächen wie z.B. im Bereich Notenlesen aus, andere möchten wissen, wie bestimmte Fills oder Grooves funktionieren, andere möchten individuelle Spiel- und Fehleranalysen. Manche haben auch konkrete Fragen zu ihrer eigenen Unterrichtstätigkeit.
Grundsätzlich geht es uns darum, dass jeder lernt, sich selbst zu reflektieren: warum funktionieren bestimmte Dinge nicht so, wie sie eigentlich sollen. Wer gelernt hat herauszufinden, was „kaputt“ ist, der wird nicht nur deutlich effektiver unterrichten können. Er wird auch selber ein besserer und geduldigerer Spieler.

Ist es möglich, sich die Ausbildungsgebühren bezuschussen zu lassen, durch BaFög oder ähnliches?

Noch nicht, allerdings stehen wir in Kontakt mit der Bremer Landesschulbehörde. Leider dauern solche Verfahren mehrere Monate und manche Behördenangestellte sind weniger begeisterungsfähig als man sich das als passionierter Musiker wünschen würde. Zudem hat gerade Bremen als armes Kleinstbundesland mit Geld- und Personalmangel zu kämpfen, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht.
Aufgrund unserer formalen Qualifikation und der technischen und räumlichen Ausstattung sind wir aber recht zuversichtlich, dass wir den Status als anerkannte Ergänzungsschule bekommen.

Neben einer pädagogisch und spieltechnisch fundierten Ausbildung ist auch die Selbstvermarktung ein entscheidender Faktor für eine spätere erfolgreiche Arbeit als Musiker und Dozent. Lernen das eure Studenten auch?

Ja. Dabei geht es allerdings nicht um die technische Seite wie Webdesign oder so, sondern eher um eine Art „Medienkompetenz“: welche medialen Kanäle sind für welche Zwecke sinnvoll, mit welchen Inhalten kann man sich als Musiker/Instrumentallehrer darstellen, wo sollte man ein bisschen Geld investieren, welche Instrumente sind wichtig, welche weniger sinnvoll.
Diese Dinge behandeln wir in Blockseminaren, allerdings zeigt der bisherige Gang der Ausbildung, dass akute Fragen zum Thema auch in den Einzelunterrichten gefragt und dann von uns natürlich auch beantwortet werden. Viele unserer Studenten unterrichten bereits selbst und wer ein konkretes Anliegen hat, dem helfen wir auch direkt.
Zusätzlich zum Medienseminar gibt es im Rahmen der Ausbildung auch eine Veranstaltung, die sich mit dem Papierkram beschäftigt, mit der man sich als Freiberufler auseinandersetzen muss, Buchhaltung, Versicherungen, KSK usw..
Themen, mit denen sich kaum ein Einsteiger auskennt und die gerade kreativ veranlagte Menschen regelmäßig in den Wahnsinn treiben.
Insgesamt hatten wir einen guten Einstieg und die sehr positive Resonanz unserer Studenten freut uns natürlich total!

Dann wünsche ich euch viel Spaß und eine erfolgreiche Arbeit in diesem und in allen folgenden Jahrgängen !

weblink: http://www.trommelwerk-bremen.de

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Eine Antwort auf Neue Ausbildung für Schlagzeuglehrer in Bremen – Das Trommelwerk

  1. Timm sagt:

    Yeah!
    Das ist ein super Interview. Als Teilnehmer im Trommelwerk kann ich nur bestätigen, was Max erzählt. Der Unterricht, das Equipment und die allgemeinen Bedingungen sind exzellent. Wunderschöne Premier und Sonor Sets um die sich gekümmert wird, feine Becken (keine billo-Meinl Ramschware wie ich sie oft in Schulen sehe) und eigenes Ersatzteillager. Ich habe es mauscheln gehört, dass sogar bald ein Wahan Set mit einziehen soll.
    Die Räume haben einen super Sound, sodass es echt Spass macht im Ensemble zu spielen. Die Stimmung untereinander ist dazu noch angenehm entspannt, was die Qualität des Unterrichts zusätzlich erhöht.
    Die Unterschiedlichkeit der Dozententypen macht den Inhalt bunt und authentisch. Zusätzlich ist es wunderbar bei Tageslicht trommeln zu können! Der Unterricht findet im mit riesigen Fenstern gebauten 1. Obergeschoss statt. Da gibts ausserdem auch sehr guten Kaffee.

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