Trommelbauer im Portrait: Fünf Fragen an Cube Drums

 

Dirk TörppePhoto: Cube Drums

Dirk Törppe
Photo: Cube Drums

Cube-Personal Drums ist ein kleines Unternehmen aus Plauen im Vogtland, das schon einige Jahre in der Trommelbau-Szene aktiv ist. Ich hatte kürzlich vier sehr gut klingende und verarbeitete Snaredrums zum Spieltest vorliegen und habe die Möglichkeit genutzt, Dirk Törppe, einem der Gründer und Mastermind von Cube Drums, ein paar Fragen zu stellen.

Hallo Dirk, erzähl doch mal ein bisschen was zur Geschichte von Cube Drums. Wie lange gibt es euch schon und was für Instrumente baut ihr vorrangig?

Hallo Chris, mein Geschäftspartner Lars Müller und ich haben uns um das Jahr 2000 kennengelernt. Er spielte Drums in einigen lokalen Bands und ich hatte ein Studio in Plauen, wo er mehrmals für Aufnahmen eincheckte. So sind wir ins Plaudern gekommen, haben uns viel über unsere Erfahrungen mit Drumkits der bekannten Marken ausgetauscht. Uns war vieles zu starr und zu wenig individuell, und wir fragten uns, was wir besser machen könnten. Nach und nach erschien uns der Gedanke, selbst Schlagzeuge zu bauen als sehr reizvoll, bot das doch eine Menge Raum für Kreativität und Tüftelei. Lars hatte durch seinen Background im Handwerk und sein unglaubliches Wissen über Werkstoffe das nötige Know-how, um Prototypen zu bauen. Ich versuchte, so gut es ging, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, um Anregungen zu bekommen und Entwürfe für eigene Kesselhardware zu realisieren.

Die charakteristischen Cube Spannböckchen

Die charakteristischen Cube Spannböckchen
Photo: Cube Drums

Schon damals gab es die Herausforderung, in Kleinstmengen hochwertige, robuste und individuelle Hardwareteile herzustellen, denn wir wollten ja eigenständig sein und soviel wie möglich selbst kontrollieren. Wir fanden dann einen Partner im Bereich Kesselbau, der in einer Krise steckte und jemanden brauchte, der die Produktion den Anforderungen des Marktes anpasste und neue Ideen einbrachte. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden völlig neue Kesseltypen, die wir für unsere Cube Drumsets und Snaredrums verwenden.
Größtenteils verwenden wir Buchenholz, welches aus heimischem, nachhaltigen Anbau stammt, was uns sehr wichtig ist und einfach toll klingt. Alles an unseren Instrumenten kann der Auftraggeber mitbestimmen und hat zudem die Gewissheit, dass er damit die einheimische Wirtschaft unterstützt und noch dazu ökologisch verantwortungsvoll handelt.

Es gab ja vor ein paar Jahren einen regelrechten Custom-Drums-Boom, und fast alle der Trommelschmieden schreiben sich das Stichwort „Individualität“ auf die Fahnen. Worin unterscheiden sich in deinen Augen und Ohren die Trommeln von Cube Drums, im Gegensatz zu Produkten anderer Hersteller?

Nun, Individualität hat für unsere Begriffe nichts mit der Freiheit zu tun, zwischen Rot und Grün zu wählen. Es geht um mehr, als Kessel von Massenherstellern wie Keller mit bunter Hardware und Farbe zu versehen, wie es 90 Prozent der sogenannten Custom-Hersteller tun. Mit Instrumentenbau hat so etwas in meinen Augen nichts zu tun, und mit klanglicher Vielfalt auch nicht. Bei uns wird jeder Kessel speziell für den Kunden gebaut, so komplex seine Vorstellungen auch sein mögen. Ein individuelles, aber geschmackvolles Design rundet die Sache ab. Nur beides gemeinsam ergibt ein Cube Custom-Instrument.
Natürlich bauen wir auch Trommeln nach unseren eigenen Vorstellungen und bieten sie über unsere Website zum Verkauf an, aber den größten Teil unseres Outputs bilden wirklich maßgeschneiderte Snares und Drumkits.

 

Snaredrum mit einem 20mm starken, gewickelten BuchenkesselPhoto: Cube Drums

Snaredrum mit einem 20mm starken, gewickelten Buchenkessel
Photo: Cube Drums

Besonders interessant fand ich im Spieltest die Snaredrums mit den „gewickelten“ Kesseln. Erzähl doch mal, was es damit auf sich hat.

Ja, das ist eine absolut einzigartige Technik des Kesselbaus, die, soweit ich weiß, nur bei uns gepflegt wird. Dabei werden zwei Millimeter starke Schälfurniere um einen Kern gewickelt, wodurch der Leimanteil im Kessel auf ein Mindestmaß reduziert ist. Zudem verläuft das Furnier, im Gegensatz zu kreuzverleimten Kesseln, komplett waagerecht. Das macht den Kessel etwas weniger steif und schiebt somit den Grundton noch ein wenig nach unten. Im Ergebnis bleiben die vergleichsweise sehr dicken Kessel, mit viel Projektion, trotzdem noch schön musikalisch. Die Snaredrums mit Kesseln in 6mm und 7,5mm Wandstärke sind schön rund und warm. Die 20mm Variante ist schon etwas höher im Pitch, klingt aber deutlich holziger und runder als ein vergleichbar dicker Kessel aus kreuzverleimten Furnierlagen. Trommeln, die auf diese Weise hergestellt sind, würde ich vor allem Jazztrommlern empfehlen, bzw. Musikern, denen es nicht vorrangig um Lautstärke geht.

Wenn ich mich als Kunde für eine Trommel oder ein ganzes Schlagzeug von euch interessiere: Wo gibt es Cube Drums zu kaufen?

Die meisten klassischen Drumshops wollen das Metier „Custom Drums“ nicht bedienen, da ihnen die nötige Zeit für die Vorarbeit fehlt, und die Mitarbeiter für die Beratung speziell geschult werden müssten. Zudem haben wir hier in Deutschland eine Glorifizierung amerikanischer Brands, die es einheimischen Firmen schwer macht, überhaupt Vertriebspartner zu finden, was ich sehr schade finde. Im Moment können die Kunden also nur direkt bei uns kaufen und sich telefonisch oder per Email beraten lassen. Auch ein persönlicher Besuch in unserer Werkstatt in Plauen ist nach Vereinbarung gerne möglich.

Ihr habt eine gut laufende Facebook-Seite, auf denen Ihr alle News rund um Cube Drums promotet. Wie sieht es mit Testberichten in den einschlägigen Schlagzeug-Printmedien aus?

Nun, Werbung ist immer sinnvoll. Aber wie in so vielen Bereichen haben die Firmen, die es nötig hätten, nicht das entsprechende Budget. Sonst würde der Schlagzeugmarkt wohl ganz anders aussehen. Wir versuchen, in regelmäßigen Abständen Tests in Zeitschriften zu bekommen, da diese den Kunden immer noch eine gewisse Sicherheit geben. Zugegebenermaßen passiert heutzutage viel über das Internet, aber es ist eben auch eine unheimliche Informationsflut da. Leute, die sich noch ein Magazin kaufen, scheinen sich wirklich für die Materie zu interessieren, und die würden wir natürlich auch gern erreichen. Es fehlt uns dafür lediglich noch eine Haushaltsstelle ;-), da Testberichte in Printmagazinen fast immer mit einer parallelen Anzeigenschaltung verbunden sind. Somit pflegen wir weiterhin fleißig unsere Internetpräsenz und setzen auf Mundpropaganda. Glücklicherweise haben wir Freunde und Onlinemagazine, die uns dabei unterstützen und uns mit Videos und Testberichten unterstützen. Dieses Netzwerk wollen wir noch erweitern.

weblink: http://cube-drums.de

Die gewickelte Buchensnare im Spieltest:

 

Autor: Christoph Behm

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